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Die Facezien des Poggio Fiorentino

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von Gian Francesco Poggio Bracciolini

Verlag: Georg Müller | Jahr: 1906 | Übersetzer: Hanns Floerke

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Kapitel 235

233. Von einem um den Hals zu tragenden Breve gegen die Pest.

Als ich neulich nach Tivoli ging, um meine Kinder, die ich wegen der Pest aus Rom fortgeschickt hatte, zu sehen, hörte ich eine lustige Geschichte, die wert ist, hier aufgenommen zu werden. Einige Tage zuvor hatte ein Wandermönch, der in den benachbarten Kastellen den Bauern predigte, versprochen (man fürchtete nämlich bereits das Nahen der Pest), er werde ihnen ein sicheres Breve, wie man es nennt, geben. Wenn sie das um den Hals trügen, würden sie niemals an der Pest sterben können. Das dumme Volk legte voller Hoffnung das ganze Geld, das es übrig hatte, in solchen Breves an und hing sie sich an einem Jungfernhaar um den Hals. Der Mönch hatte aber verboten, die Breves vor Ablauf von vierzehn Tagen zu öffnen, da sie sonst ihre Kraft verlieren würden. Nachdem er viel Geld gesammelt hatte, verschwand er. Da die Neugier die Menschen nicht ruhen läßt, wurden die Breves bald darauf gelesen, und man fand folgende italienisch geschriebenen Worte:

»Donna, se fili, e cadeti lo fuso,
Quando te fletti, tien lo culo chiuso.
«

232 D. h.:

»Wenn du spinnst,
Und die Spindel dir entglitt, halt du,
Weib, beim Bücken stets den Hintern zu!«»Peste« ist nämlich sowohl die Pest wie der (Pest-)Gestank.

Das ist freilich mehr wert als alle Vorschriften und Mittel der Ärzte.