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Rhythmus des neuen Europa / Gedichte

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von Gerrit Engelke

Verlag: Büchergilde Gutenberg | Jahr: 1961

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Kapitel 79

Weib, Du Sphinx –

Ich habe in deine Augenbrunnen tief
Und tief, und oft den Schöpfe-Blick gesenkt,
Das Zitterlicht, das wirr am Boden schlief,
In meinen Frage-Durst hinauf gelenkt – –
Doch deine Augen hab ich nie ergründet –

Ich habe oft an deinem Rätselmund
Gelächterklang, geringem Wort gelauscht,
Den Atem, den Seelendampf vom Liebesgrund,
Voll roter Leidenschaft mit dir getauscht – –
Doch deine Lippen hab ich nie ergründet –

Ich habe brünstig deine weiche Brust
An meine harte Herzenswand gedrückt,
Mit tiefem Zwang, wie ich dich zwingen mußt',
Dein Herzgeklopf in meinen Schlag gerückt –
Doch seinen Rhythmus hab ich nie ergründet –

Ich drang in dich mit heißer Frageglut,
Ich schloß um dich die Willens-Arme zu –
Ich war dein Mund, und nur und nur dein Blut –
Und du warst Lösung meines Fragens – Du – –?
Denn doch: Dein Wesen hab ich nie ergründet.