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Rhythmus des neuen Europa / Gedichte

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von Gerrit Engelke

Verlag: Büchergilde Gutenberg | Jahr: 1961

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Kapitel 70

Welttrunkenheit

Durch engverwirrte Straßen, über Sandsteinbrücken
Kommen tausend Füße mir entgegen, tausend Blicke,
Und Freundeswort, und Hofmusik, und Händedrücken –
O ich!

Und grüne Sommerwälder sausen – kommen!
Kommen! Und Menschheit wimmelt froh auf Schatten-Wegen;
Der Himmel zittert, Wolken wollen hüpfen –
Alles, Alles mir entgegen;
Ich bin so sonnevoll, so strombeklommen –
Ach ich! Mir schaukelt Leben zu vom Strand, vom Kahn,
Zu mir kommt Fluß und Fluß und See und Meer,
Schiffgewimmel, Qualmhäfen, Ozean:
Immer mehr! Immer mehr!
O ich! o ich!

Und graue Nordlandküsten, Südseepalmenwälder;
Und Sternschwärme, Indiens Wunderstädte,
Und tausend Sonnen aus der Welt
Taumeln, rauschen, singen in ungeheurem wilden Wirbel
In meine weite Seele – füllend, füllend –
Ich! Ich!

Meine Augen sind Sterne, Flut braust im Ohr;
Ich bin so glühend weltdurchströmt, meine Seele dröhnt,
Ich kann ihn nicht dämpfen den rasenden Chor –
Ich berste – ersticke – blicke
Hoch:

Du,
Der Du alles ins Dasein reißt,
Löse, dunkel schwingender Lebensgeist,
Aus dem lähmenden Drange zu metallischem Klang,
Aus dem chaotischen Orgeln zum Weltgesang
Die lebenbestürzte Seele
Für Alles und Alle!