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Rhythmus des neuen Europa / Gedichte

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von Gerrit Engelke

Verlag: Büchergilde Gutenberg | Jahr: 1961

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Kapitel 110

Seele erhebe Dich

Seele erhebe dich!
Deine Hülle ist Tier;
Nächte waren; in Nächte warst du versunken.
Erhebe dich, schüre die göttlichen Funken!
Leid machte kümmerlich,
Körper erniedrigte dich, erstickte dein Glühen:
Entfalte die Flügel, laß Freude erblühen!
Fühlst du nicht rund in den Fernen ein selig Gewimmel?
Alles Ferne dürstet nach dir!
Auf! weit ist die Welt, hoch ist der Himmel:
Seele erhebe dich!

Seele erhebe dich:
Draußen ist Tag, Tag deiner Welt:
Sieh, wie die Sonne das Blau überleuchtet,
Wie werdender Frühling den Boden durchfeuchtet,
Hör, wie Vögel zwitschern, so wunderlich,
Wie aus den Sträuchern, wie aus den Bäumen,
Wie aus den Sonnenräumen
Stimmen sich heben:
Wir leben! wir leben!
Seele erhebe dich!

Seele entflamme dich,
Himmel kommt und Wald –
Dring ein, steig auf in dieses grenzenlose Land!
Entwachse dir und schwebe frei und feierlich
In deines Anfangs zeitenlose Sonnenzonen.
Du sollst nur Jahre in der Körper-Erde wohnen:
Du bist der Glanz, vor allen Dingen auserlesen,
Der Klang, der wieder über alle Himmel hallt.
Anfangsewig, ewig dein Wesen:
Seele, brenne, brause göttlich!