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Rhythmus des neuen Europa / Gedichte

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von Gerrit Engelke

Verlag: Büchergilde Gutenberg | Jahr: 1961

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Kapitel 102

Nachtgesänge

O große Nacht, Tiefe aller Tiefen,
Die du dich legst auf mein heißes Herz
Gleich linderndem Balsam,
Die du meine Augen sättigst
Mit unergründlicher Unendlichkeit:
Komm herab und senke die tiefen Schatten
Deiner Allseele auf mich.
Vor deiner Mächtigkeit und Fülle errötet die Sonne
Und sinkt hinter die fernen Wälder hinab,
Und herauf steigst du in all deiner Majestät
Und Trächtigkeit und sterndurchwirkten Pracht.
Alle Leuchten verlöschen
Vor deinem sich öffnenden Auge,
Dem silberlich strotzenden Mond,
Dem stummen Allwisser und Seher
Aller deiner Köstlichkeiten.
O Nacht, du weitest mein einsames Herz
Und erfüllest es mit dem quellenden Reichtum
Erhabenen Gefühls, und mit Frieden.
Du umfängst mich,
Wie eine Liebende den Geliebten umfängt,
Und du bist meine Liebende,
Und ich liebe dich,
O Nacht. –