Leser, dir steht frey zu richten über mich, Und andern stehet frey zu richten über dich. Wie du dein Urtheil nun von andern dir begehrest, So siehe daß du mir mein Urtheil auch gewährest.
Aus dem kalten Nordenloche kam der Handgriff Gold zu kochen; Da die Künstler für ihr Kupfer kamen deutsches Gold zu suchen: Deutsches Blut, mit deutscher Asche wohl vermischet, konnte machen, Daß zu Gold den Künstlern wurden Glaube, Treu und alle Sachen.
Wo viel Gemeinschaft ist, ist Ansehn nicht gemein; Wo nicht mehre Ansehn ist, wird schwerlich Folge seyn; Wo Folge sich verliert, kann Ordnung nicht bestehen; Wo Ordnung nicht besteht, muß Wohlfahrt untergehen.
Ptochus lag in tausend Nöthen, Die ihn drängten bis aufs Tödten. Sollte Christenliebe haben, Sich zu retten, sich zu laben: Ließ sie hin und wieder suchen, Weil sie sich itzt sehr verkrochen; Ließ sie suchen bey Gerichten, Fand sie aber da mit nichten; Mußte hören, daß man sagte: Was das sey, wonach er fragte?
Obs recht, obs ehrlich sey, was Honoratus thut, Daran gedenkt er nicht. Jhm dünket alles gut, Was gut zum Schmausen ist. Was soll man von ihm sagen? Er hat das Recht im Maul, er hat die Ehr im Magen.
Wer im Sommer Blumen sammelt, sammel aber sonst nichts ein, Ey wovon will der im Winter ruhig, satt und muthig seyn? Wer beym Freyen bloß auf Zierden, Prangen, Stolz und Großthun denkt, Was wird der für Tröstung finden, wenn ihn großer Unfall kränkt.
Wenn das Beste nicht zu haben, nehme man für gut das Gute; Auch für lieb, ists nicht ein tapfrer, dennoch mit dem frohen Muthe. Wem die Flügel nicht gewachsen, kann die Wolken nicht erreichen; Wem des Adlers Augen fehlen, muß der Sonne Stralen weichen.
Dein Herz ist ein Castell, hat gar viel Außenwerke, Bulpinus; wer drein kömmt, hat nicht gemeine Stärke; Wer drein noch kommen wär ist keiner, wie ich merke.
Der Tod, vor dem der Mensch so fleucht und so erschrickt, Währt an ihm selbst so lang, als lang ein Auge blickt. Des Todes Furcht ist Tod, mehr als der Tod; der Tod Verkürzt, was ihn vergällt, die Furcht, die schlimmste Noth.
Für Güt nicht Gutes geben, ist keine gute That; Für Böses Böses geben, ist ein verkehrter Rath; Für Gutes Böses geben, ist schändliches Beginnen; Für Gutes Gutes geben, gebühret frommen Sinnen; Für Böses Gutes geben ist recht und wohl gethan, Denn daran wird erkennet ein ächter Christenmann.
Hand und Finger, ein Vorbild brüderlicher Einigkeit.
Jeder Finger an der Hand Hat sein Maaß und seinen Stand. Jeder hilft dem andern ein, Keiner will sein eigen seyn. Brüder, die des Blutes Pflicht Hat in Einen Bund gericht. Sagt, was wollen die sich zeihn, Wenn sie eigennützig seyn? Wenn sie das gemeine Heil Messen nach dem eignen Theil? Wenn nur jeder darauf denkt, Was den andern Bruder kränkt? Wenn der andre steigen will Hin auf den, der niederfiel? Weiten will ich, all ihr Thun Wird auf Misgriff nur beruhn.
Andern gehet auf die Sonne, wenn sie uns geht nieder. Wenn sie andern niedergehet, kömmt sie zu uns wieder. Was uns Gott nicht heute schenkte, kann er morgen schicken, Kann uns, was er heute schickte, morgen auch entrücken.
Eine Wittwe gieng zur Trau; nahm itzt ihren vierten Mann. Als die Zeit zum Schlafengehn auch nun endlich kam heran, Sprach sie: ach ich armes Kind! hätt ich dieses eh bedacht! Niemand, niemand hätte mich mehr zu diesem Schritt gebracht! Doch sie gieng, war gar getrost; und das Kind, das sie gebar Kaum in zwanzig Wochen drauf, wies wie sie vergeßlich war.
Es ist ein Wunderding: wer zehn, wer zwanzig Jahr, Und länger, nicht gewußt, was rechter Glaube war, Wenn der vom ersten tritt, und nimmt den andern an, Daß der bald alles weiß, und andre lehren kann! Mich dünkt, Gunst, Ehre, Macht, Gemach und gute Bissen Die stärkten ihm das Hirn; — nicht aber das Gewissen.
Udus säuft den ganzen Tag. Wird er drüber wo besprochen, Spricht er: einen halben Tag hab ich mich am Durst gerochen, Und den andern halben Tag sauf ich darum wieder an, Weil mich leicht der böse Durst tückisch überfallen kann.
Ey wie Schad ists um die Zeit, die mit Reimen ich verspiele! — Uebler aber reimte sichs, wenn mit Nichtsthun sie verfiele. Eine Ruh für Leib und Sinn läßt man einem jeden zu. Jeder ruhe, wie er will; ich beruh in dieser Ruh.
Man giebt den Weibern Schuld, daß ihre Worte leichter, Als leichte Blätter sind: daß ihre Sinnen seichter, Als Regenbäche sind. — O Männer könnens auch! Viel Worte, wenig Herz ist ihr gemeiner Brauch.
Der mir funfzig Gülden soll, waget zwanzig Gülden dran, Daß er meine Zahlung nur länger noch verzögern kann. Seht doch, wie er auf Gewinn sich versteht, der schlaue Mann!
Wenn das Weib ihr einen Mann, wenn der Mann ein Weib ihm nahm, Weil sie beide Nehmer sind, wer denn ists, der was bekam? Ey das Weib! denn die empfängt, träget Bürden ohne Scheu, Leget ab, und kommet wieder, holet mehr, und trägt auf neu.
Wer redlich ist im Herzen und mit dem Munde frey, Der wisse, daß bey Hofe er nicht behäglich sey. Wie man ihm vorgesaget, so sagt der Papagey: Wer gelten will bey Hofe, der trete diesem bey.
Vanula will einen Schönen, Edeln, Tapfern, Klugen, Reichen, Wohlgereisten, Wohlbesprachten, Wohlgewachsnen ohne Gleichen: Nun der Wunsch kömmt zum Gewähren, fällt viel ab von diesem Willen, Und den Mangel aller Stücke muß allein — die Thorheit füllen.
Weiland waren wir bekannt, daß wir rühmlich gastfrey waren; Wie denn? daß wir diesen Ruhm und Gebrauch itzt schimpflich sparen? — Gäste haben Haus und Wirth ganz vertilgt bey diesen Jahren.
Für die Jungferschaft der Braut gab ein Bräutgam seine: Sie, wie drauf inne ward, hatte selber keine. Daß er nicht im Handel möcht übervortheilt seyn, Gab sie ihm die Mutterschaft morgens oben drein.
Gott sollst du mehr als dich, wie dich, den Nächsten lieben; Wenn Eine Liebe bleibt, so sind sie beide blieben: Denn Gott und Nächsten knüpft ein unauflöslich Band; Wer sich hier trennen will, der hat sich dort getrannt.
Non mihi sit servus medicus, propheta, sacerdos. Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß Trank und Essen Sey nach Ordnung und Vermögen eingetheilt und abgemessen. Fürsten wollen keinen Diener, der da will zuvor verkünden, Was auf ihr verkehrtes Wesen für Verderben sich wird finden. Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß ihr Gewissen Sich von allen Uebelthaten kehren soll zu ernstem Büßen.
Die Michal legt ein Bild ins Bett, an Davids Statt, Und dann zu seinem Haupt ein Fell von einer Ziegen: Will mancher, wie ein Bild, im Bette stille liegen, Giebt man ihm insgemein ein Fell das Hörner hat.
Was zu Nürnberg wird gehandelt Wird gewiß was Gutes seyn; Denn gut Ding darf gute Weile. Wo es sich zum ärgsten wandelt, Und mit Hoffnung nicht trifft ein, Gehe niemand Schuld der Eile.
Nichts neues unter der Sonne. Pred. Gal. X, 7. 8. Jch sahe Knechte auf Rossen, und Fürsten zu Fuße gehn, wie Knechte. Aber wer eine Grube macht, wird selbst drein fallen u. s. w.
Wie jetzt die Zeiten sind, so waren vor die Zeiten: Denn Salomon sah auch auf Pferden Knechte reiten, Hingegen Fürstenvolk zu Fuß wie Knechte gehen. Die Grube fehlt nur noch. — Auch die wird man bald sehen.
Leser, dir steht frey zu richten über mich, Und andern stehet frey zu richten über dich. Wie du dein Urtheil nun von andern dir begehrest, So siehe daß du mir mein Urtheil auch gewährest.
Aus dem kalten Nordenloche kam der Handgriff Gold zu kochen; Da die Künstler für ihr Kupfer kamen deutsches Gold zu suchen: Deutsches Blut, mit deutscher Asche wohl vermischet, konnte machen, Daß zu Gold den Künstlern wurden Glaube, Treu und alle Sachen.
Wo viel Gemeinschaft ist, ist Ansehn nicht gemein; Wo nicht mehre Ansehn ist, wird schwerlich Folge seyn; Wo Folge sich verliert, kann Ordnung nicht bestehen; Wo Ordnung nicht besteht, muß Wohlfahrt untergehen.
Ptochus lag in tausend Nöthen, Die ihn drängten bis aufs Tödten. Sollte Christenliebe haben, Sich zu retten, sich zu laben: Ließ sie hin und wieder suchen, Weil sie sich itzt sehr verkrochen; Ließ sie suchen bey Gerichten, Fand sie aber da mit nichten; Mußte hören, daß man sagte: Was das sey, wonach er fragte?
Obs recht, obs ehrlich sey, was Honoratus thut, Daran gedenkt er nicht. Jhm dünket alles gut, Was gut zum Schmausen ist. Was soll man von ihm sagen? Er hat das Recht im Maul, er hat die Ehr im Magen.
Wer im Sommer Blumen sammelt, sammel aber sonst nichts ein, Ey wovon will der im Winter ruhig, satt und muthig seyn? Wer beym Freyen bloß auf Zierden, Prangen, Stolz und Großthun denkt, Was wird der für Tröstung finden, wenn ihn großer Unfall kränkt.
Wenn das Beste nicht zu haben, nehme man für gut das Gute; Auch für lieb, ists nicht ein tapfrer, dennoch mit dem frohen Muthe. Wem die Flügel nicht gewachsen, kann die Wolken nicht erreichen; Wem des Adlers Augen fehlen, muß der Sonne Stralen weichen.
Dein Herz ist ein Castell, hat gar viel Außenwerke, Bulpinus; wer drein kömmt, hat nicht gemeine Stärke; Wer drein noch kommen wär ist keiner, wie ich merke.
Der Tod, vor dem der Mensch so fleucht und so erschrickt, Währt an ihm selbst so lang, als lang ein Auge blickt. Des Todes Furcht ist Tod, mehr als der Tod; der Tod Verkürzt, was ihn vergällt, die Furcht, die schlimmste Noth.
Für Güt nicht Gutes geben, ist keine gute That; Für Böses Böses geben, ist ein verkehrter Rath; Für Gutes Böses geben, ist schändliches Beginnen; Für Gutes Gutes geben, gebühret frommen Sinnen; Für Böses Gutes geben ist recht und wohl gethan, Denn daran wird erkennet ein ächter Christenmann.
Hand und Finger, ein Vorbild brüderlicher Einigkeit.
Jeder Finger an der Hand Hat sein Maaß und seinen Stand. Jeder hilft dem andern ein, Keiner will sein eigen seyn. Brüder, die des Blutes Pflicht Hat in Einen Bund gericht. Sagt, was wollen die sich zeihn, Wenn sie eigennützig seyn? Wenn sie das gemeine Heil Messen nach dem eignen Theil? Wenn nur jeder darauf denkt, Was den andern Bruder kränkt? Wenn der andre steigen will Hin auf den, der niederfiel? Weiten will ich, all ihr Thun Wird auf Misgriff nur beruhn.
Andern gehet auf die Sonne, wenn sie uns geht nieder. Wenn sie andern niedergehet, kömmt sie zu uns wieder. Was uns Gott nicht heute schenkte, kann er morgen schicken, Kann uns, was er heute schickte, morgen auch entrücken.
Eine Wittwe gieng zur Trau; nahm itzt ihren vierten Mann. Als die Zeit zum Schlafengehn auch nun endlich kam heran, Sprach sie: ach ich armes Kind! hätt ich dieses eh bedacht! Niemand, niemand hätte mich mehr zu diesem Schritt gebracht! Doch sie gieng, war gar getrost; und das Kind, das sie gebar Kaum in zwanzig Wochen drauf, wies wie sie vergeßlich war.
Es ist ein Wunderding: wer zehn, wer zwanzig Jahr, Und länger, nicht gewußt, was rechter Glaube war, Wenn der vom ersten tritt, und nimmt den andern an, Daß der bald alles weiß, und andre lehren kann! Mich dünkt, Gunst, Ehre, Macht, Gemach und gute Bissen Die stärkten ihm das Hirn; — nicht aber das Gewissen.
Udus säuft den ganzen Tag. Wird er drüber wo besprochen, Spricht er: einen halben Tag hab ich mich am Durst gerochen, Und den andern halben Tag sauf ich darum wieder an, Weil mich leicht der böse Durst tückisch überfallen kann.
Ey wie Schad ists um die Zeit, die mit Reimen ich verspiele! — Uebler aber reimte sichs, wenn mit Nichtsthun sie verfiele. Eine Ruh für Leib und Sinn läßt man einem jeden zu. Jeder ruhe, wie er will; ich beruh in dieser Ruh.
Man giebt den Weibern Schuld, daß ihre Worte leichter, Als leichte Blätter sind: daß ihre Sinnen seichter, Als Regenbäche sind. — O Männer könnens auch! Viel Worte, wenig Herz ist ihr gemeiner Brauch.
Der mir funfzig Gülden soll, waget zwanzig Gülden dran, Daß er meine Zahlung nur länger noch verzögern kann. Seht doch, wie er auf Gewinn sich versteht, der schlaue Mann!
Wenn das Weib ihr einen Mann, wenn der Mann ein Weib ihm nahm, Weil sie beide Nehmer sind, wer denn ists, der was bekam? Ey das Weib! denn die empfängt, träget Bürden ohne Scheu, Leget ab, und kommet wieder, holet mehr, und trägt auf neu.
Wer redlich ist im Herzen und mit dem Munde frey, Der wisse, daß bey Hofe er nicht behäglich sey. Wie man ihm vorgesaget, so sagt der Papagey: Wer gelten will bey Hofe, der trete diesem bey.
Vanula will einen Schönen, Edeln, Tapfern, Klugen, Reichen, Wohlgereisten, Wohlbesprachten, Wohlgewachsnen ohne Gleichen: Nun der Wunsch kömmt zum Gewähren, fällt viel ab von diesem Willen, Und den Mangel aller Stücke muß allein — die Thorheit füllen.
Weiland waren wir bekannt, daß wir rühmlich gastfrey waren; Wie denn? daß wir diesen Ruhm und Gebrauch itzt schimpflich sparen? — Gäste haben Haus und Wirth ganz vertilgt bey diesen Jahren.
Für die Jungferschaft der Braut gab ein Bräutgam seine: Sie, wie drauf inne ward, hatte selber keine. Daß er nicht im Handel möcht übervortheilt seyn, Gab sie ihm die Mutterschaft morgens oben drein.
Gott sollst du mehr als dich, wie dich, den Nächsten lieben; Wenn Eine Liebe bleibt, so sind sie beide blieben: Denn Gott und Nächsten knüpft ein unauflöslich Band; Wer sich hier trennen will, der hat sich dort getrannt.
Non mihi sit servus medicus, propheta, sacerdos. Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß Trank und Essen Sey nach Ordnung und Vermögen eingetheilt und abgemessen. Fürsten wollen keinen Diener, der da will zuvor verkünden, Was auf ihr verkehrtes Wesen für Verderben sich wird finden. Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß ihr Gewissen Sich von allen Uebelthaten kehren soll zu ernstem Büßen.
Die Michal legt ein Bild ins Bett, an Davids Statt, Und dann zu seinem Haupt ein Fell von einer Ziegen: Will mancher, wie ein Bild, im Bette stille liegen, Giebt man ihm insgemein ein Fell das Hörner hat.
Was zu Nürnberg wird gehandelt Wird gewiß was Gutes seyn; Denn gut Ding darf gute Weile. Wo es sich zum ärgsten wandelt, Und mit Hoffnung nicht trifft ein, Gehe niemand Schuld der Eile.
Nichts neues unter der Sonne. Pred. Gal. X, 7. 8. Jch sahe Knechte auf Rossen, und Fürsten zu Fuße gehn, wie Knechte. Aber wer eine Grube macht, wird selbst drein fallen u. s. w.
Wie jetzt die Zeiten sind, so waren vor die Zeiten: Denn Salomon sah auch auf Pferden Knechte reiten, Hingegen Fürstenvolk zu Fuß wie Knechte gehen. Die Grube fehlt nur noch. — Auch die wird man bald sehen.