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Lyrische Gänge

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von Friedrich Theodor Vischer

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt | Jahr: 1888

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Kapitel 78

Kapitel 78

Greisenglück.

Wie man das Alter auch mag verklagen,
Wie viel Uebles auch von ihm sagen,
Die Ehre muß man ihm dennoch geben,
Daß es uns gönnt, noch das zu erleben,
Wie es thut, sich fühlt und schmeckt,
Wenn sie, die uns so toll geschreckt,
Verbellt, gejagt, durch die Wälder gehetzt,
Wenn sie nun endlich zu guter Letzt
Abläßt von ihrer keuchenden Beute,
Die Jägerin mit der grimmigen Meute,
Die wilde Jägerin Leidenschaft.
Es schmeckt wie ein kühlender Labesaft,
Es schmeckt wie ein Schläfchen nach Tische gut,
Wo man so sanft einnicken thut.
Also, ihr Leidenschaften, Ade!
Euer Abschied thut mir nicht weh!
Doch Eine will ich behalten, Eine:
Den Zorn auf das Schlechte, das Gemeine.