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Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

von Franz von Dingelstedt

Verlag: Klinkhardt & Biermann | Jahr: 1923

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Kapitel 39

Drei neue Stücklein mit alten Weisen

(Für Deutsche Liedertafeln)

I

Mel. Das Volk steht auf, der Sturm bricht los.

Herr Michel und der Vogel Strauß
Sind leibliche Geschwister:
Aus diesem guckt's Kameel heraus,
Aus jenem der Philister.

Sie flögen gern und könnten's auch,
Die Schwingen sind gegeben,
Doch bleiben sie nach altem Brauch
Fein an der Erde kleben.

Der Eine birgt den Kopf im Sand
Und läßt den Steiß sich blasen,
Der And're wühlt sich mit Verstand
In Bücher ein und Phrasen.

Indeß hat man dem Strauß geschickt
Die Federn ausgerissen,
Indeß die Fremde sich geschmückt
Mit Michels Geist und Wissen.

Sie lassen alle beide sich
Von einem Kinde leiten,
Das spornt und treibt sie ritterlich
Und lacht: Ich will Euch reiten.

Und was der Strauß für einen Wanst
Besitzt und welchen Magen!
– Nur du, mein deutscher Michel, kannst
Und mußt noch mehr vertragen!