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Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

von Franz von Dingelstedt

Verlag: Klinkhardt & Biermann | Jahr: 1923

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Kapitel 14

XIII

Der Herr! – Es ist doch ein stolzes Wort
Und meint eine stolzere Sache;
Nicht jener über den Wolken dort,
Nein, der unter goldenem Dache;

Mit Szepter und Apfel in der Hand,
Auf dem Haupte die schwere Krone,
Gekleidet in sein Purpurgewand,
Gesessen auf hohem Throne.

Da liegt sein Schloß aus Marmelstein
Mit gold'nem Balkon und weißen Säulen,
Zwei Löwen wachen am Eingang sein,
Zwei Riesen mit steinernen Keulen.

Und wo durch glänzende Scheiben hin
Der Schein einer Ampel schimmert,
Dort steht unter seidenem Baldachin
Sein Bett, aus Silber gezimmert.

Im Vorsaal harrt auf der Schelle Klang
Ein Duzend verschlafener Pagen,
Und Lakaien räkeln auf jedem Gang
Und schnarchen in allen Etagen.

Gott gebe dir eine Bettelmanns-Ruh',
Herr König, in deinen Gemächern!
Er wehe dir freundliche Kühlung zu
Mit unsichtbaren Fächern!

Es zeige dir Traumes Spiegelbild
Dein Volk beglückt und gesegnet,
Während es an die Fenster mild,
Wie Maientropfen, regnet.

Ich male mir's wol recht artig aus,
Doch in Wahrheit schläft, ich wette,
Der Gardist dort süßer im Schilderhaus
Als du im Fürstenbette.