Krebsbüchlein – 1. Teil
Verlag: Thüringer Verlagsanstalt / Weimar
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Mittel, die Kinder zum Guten verdrossen zu machen
Bemerke nicht das Bestreben deiner Kinder, gut zu sein, so werden sie es bald überdrüssig!
Heute, dachte Karolinchen, will ich anfangen, recht gut zu sein, daß der liebe Vater, der so viel Mühe mit mir hat, seine Freude an mir sehen soll. Kaum war sie also aus dem Bette aufgestanden, so setzte sie sich hinter ihren Nährahmen und arbeitete so fleißig, als man es von ihren Jahren erwarten konnte. Wie wird, sprach sie bei sich selbst, der Vater lachen, wenn er in die Stube tritt und deinen Fleiß sieht!
Der Vater trat in die Stube und lachte nicht. Er nahm den Kalender in die Hand und sah nach, ob der Mond bald voll wäre. Er trat noch einmal hinein, und Karolinchen schielte so liebreich nach ihm, daß man hätte meinen sollen, er müsse sie bemerken. Aber er bemerkte sie nicht. Er ging vielmehr auf seinen Mops zu und machte ihm einige Liebkosungen.
Nach Tische ging er in Gesellschaft.
Karolinchen ging gleich in seine Stube, kehrte sie aus, setzte die Stühle in Ordnung, wischte die Tische ab und räumte alles weg, was ihrer Meinung nach nicht am rechten Orte war. Darauf setzte sie sich hin und schrieb ihm einen allerliebsten Brief, in dem sie ihm teuer versicherte, daß sie von nun an eine recht folgsame und gute Tochter sein wollte.
Nun kam der Vater und ging in seine Stube. Karolinchen schlich sich nach, um Zeugin seines Wohlgefallens an ihrem guten Betragen zu sein.
Aber der Vater bemerkte nichts von all der Ordnung, die in seiner Abwesenheit war gemacht worden.
Wo ist, fragte er heftig, meine Schreibtafel?
Karolinchen, die sich nicht gleich besinnen konnte, wo sie dieselbe hingelegt habe, lief erschrocken umher, suchte und sagte: Ich habe – ich habe –
Ist's nicht wahr, du hast sie weggelegt?
Ja! ich wollte – ich wollte –
Wenn sich doch ein so einfältiges Ding, wie du bist, nicht in meine Sachen mischte!
Dies schlug das arme Kind so nieder, daß es wirklich im Begriffe war, seinen Brief zu zerreißen.
Endlich wagte sie es doch, ihn zu übergeben.
Geh', sagte der Vater, mit deinem Wische. Ich habe jetzt keine Zeit, mich damit abzugeben.
Diese ungehörige Behandlung hatte die Wirkung, daß es Karolinchen nicht wieder in Gedanken kam, sich ihm gefällig zu machen.