Die Blumen des Bösen
MeistgelesenVerlag: Georg Müller Verlag | Jahr: 1925 | Übersetzer: Therese Robinson
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Herbst-Sonett
»Du wunderlicher Freund, was bin ich dir?« –
Dein Blick, kristallklar, fragt's zu allen Stunden.
Sei hold und schweig! – Die Seele voller Wunden
Erträgt nur noch des Tieres dumpfe Gier.
Drum lass das höllische Geheimnis ihr,
Du, die mich lässt in langem Schlaf gesunden,
Rühr' nicht an Flammenworte, die bekunden,
Dass Geist und Leidenschaft nur Plage mir.
Liebe mich sanft! – Aus tückischem Revier
Hat düstern Amors Pfeil uns bald gefunden.
Sein Werkzeug, Wahn und Schmach, hab ich empfunden.
O bleiche Blume Marguerite, wir,
Wir beide sind nur Glanz aus Herbstesstunden,
O meine weisse, kühle Marguerite!