| Ist's nur die Luft in Fürstensälen, Die Nacken beugt und krümmt die Seelen? Soll's auch die bessern Fürsten ehren, Wenn Stirnen ihren Estrich kehren? Ließ ihnen solch beschämend Erbe Der Vorfahr wohl, der harte, herbe, Wie, wenn der Sturm sich längst verzogen, Die Saat noch liegt, die er gebogen? Im Thronensaal der Burg zu Wien Versammelt harrt ein glänzender Kreis; Mit silbernem Schäferstab erschien In Sammt manch geistlicher Hirtengreis, Die Herzogsräth' in schwarzer Tracht, – Wohl manche trugen Trauerfarben Schier um das Recht, das sie verdarben, – Herolde schimmern in Wappenpracht, Und Leibtrabanten halten Wacht. Im Halbkreis stehn Hofherren und Ritter, Da wehen Federn, flimmern Flitter, Goldschellen klingeln am Gewand, An Krause, Barett und Gürtelband; Die Schelle, die der Hof einst trug, Ward für die Narren abgelegt, Damit wer keine Schelle trägt, Hinfort doch gelten kann für klug. Zwei Farben trägt am Leibe Jeder, Zweifarbig Kleid, zweifarbige Feder, Der halbe Mann roth oder falb, Blau oder weiß das andre Halb, Als hätt' ein Hieb sie einst gespalten, Sie wiederbelebt ein Zauberwalten, Die Hälften doch in Hast und Eile Sie schlecht ergänzt mit dem fremden Theile. Solch Hofkleid war gewählt verständig, Die Farbe, die aus zwei'n ihm werth, Wird flink dem Fürsten zugekehrt; Jetzt trägt solch Kleid man nur inwendig. Ein Wort gibt kund der Fürsten Kommen, Wie Wetterschwüle macht's beklommen, Die Reden und die Schellen schweigen, Indeß die Stirnen tief sich neigen, Selbst der Gedanke, der nicht streichen Im Fluge darf, beginnt zu schleichen, Doch kriechend noch sinnt er ans Steigen. Geht einst der Phönixflug, der rasche, Im Brand der Spezerein zur Neige, Dann kriecht ein Würmlein aus der Asche, Auf daß es wieder als Phönix steige. Pfaff Wigand stellt der Pforte nah, Sein Aug', die Schatten meidend, sah Zum Fensterlicht, vor dessen Bogen Des Gartens Wipfel grüßend wogen. Vernehmbar spricht zu ihm der Baum: Ich steige hoch empor im Licht Und beug' und biege mich doch nicht! Ein Vogel schwingt sich durch den Raum; Ich steige höher noch und sang Doch frei heraus, wie's Herz mir klang! Die Wolke zieht mit goldnem Saum: Ich steig' am höchsten, ging mein Flug Auch graden Weg und freien Zug! Thronsessel zwei stehn reich umflossen Vom goldgestickten Baldachin, Ihm nah'n die beiden Habsburgsprossen Im Purpurkleid mit Hermelin, Aufrecht und fest Otto der Frohe, Im Antlitz lächelt die innere Lohe, Doch Albrecht mit dem weisen Sinn Wird auf der Sänfte hingetragen. Dem Geiste gleicht der Körper nicht, Es hat ihm Gift in jüngern Tagen Des Leibes edlen Bau zerschlagen, Schön blieb nur Haupt und Angesicht Hoch ragend über'm Schutt der Glieder, Dem Kirchlein gleich, vom Feind verschont, Als er die Königsburg warf nieder, Weil drin der Geist des Herren wohnt. Die kühnen Feueraugen fliegen Stolz über des Leibes Trümmerreste, Wie über der zerbrochenen Veste Zwei Adler sich in Lüften wiegen. Des Mundes Wort scheint zu entwallen Dem Ahnengeist versunkener Hallen: »An unsern Zepter ist gediehn Des Kärnthnerlandes Volk und Flur, Umsonst vor unsern Thron nach Wien Entbot ich's zum Vasallenschwur; Kein Abgesandter kam! Sie halten Zäh an dem Landesbrauch, dem alten; Es schwöre nur der Fürst im Land Und nehme Lehn aus Bauershand. Ein Volk, wie seine Berge, hart! So thun wir nach des Propheten Art, Der selbst das Wanderstäblein nahm, Als der gerufene Berg nicht kam; Doch da auch wir von Felsnatur Und unbeweglich schier vor Allen, Mag unsres Bruders Liebden wallen Zum sondren Eid nach Kärnthens Flur. Vergnüglich ist die schöne Reise Durch Alpengrün und ewige Eise, Sie wird euch Mark und Sehnen stählen, Sie wird erheben eure Seelen.« Herr Otto rückt unstät am Sitze, Sein Blick schießt ungeduldige Blitze Und sucht gar sehnsuchtsvoll die Pforten; Den Pfaffen Wigand trifft er dorten, Der eben die Gedanken entsandt Zu Otto selbst, den er sieht leiden, Als flinke Pagen, ihn zu entkleiden Von Würd' und Bürde, Last und Tand. Sie streifen den Herzogshut vom Haupt, Vom Epheukranz wird's schmuck umlaubt, Sie ziehn ihm ab die Goldgewänder, Die Purpurschleppen, Gürtelbänder; Die Blöße darf kein Aug' verdrießen, Sie hüllen ihm die Schultern schnell Mit schöngeflecktem Pardelfell, Ein Herrscherzeichen nur sie ließen: Den Zepterstab! Doch fröhlich schwanken Daran die klimmenden Weinlaubranken, Der Thronstuhl wird zum rollenden Wagen, Ihn und langhalsige Krüge zu tragen, Auch trifft Gespann sich nah, wenn's gilt, Luchs, Leu und Tiger, gezähmtes Wild. Evoe, Evan! Deine Fahrten Beginne durch des Indus Garten! Mit Otto's Blick hält im Begegnen Das Auge Wigands Zwiesprach leise; Sprach Wigands Blick: Ich will dich segnen Und rufen Glück und Heil zur Reise! Drauf Otto's Aug' in Sehnsuchtsqual: O reist' ich erst aus diesem Saal! Wigand fuhr fort: Den Zug beginne Mit goldnem Gruß der Johannisminne! Und Otto drauf: In deiner Laube Kredenz' uns heut den Saft der Traube! So sprachen sie vor aller Schaar Nicht hörbar, doch sich selber klar; Das Frühlingswort magst du belauschen, Wenn's flüsternd durch die Wipfel rauscht, Doch heimlich spricht und unbelauscht Der Blick, den Blüthenaugen tauschen. |