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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

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von Anthologien

Verlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909

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Kapitel 345

343. Ludwig II. an Wagner

Mein einziger Freund! Mein heiß Geliebter!

Heute Nachmittag ½4 Uhr kam ich von einem herrlichen Ausfluge nach der Schweiz zurück. Wie entzückte mich dieses Land! Da fand ich Ihren theuren Brief! innigsten wärmsten Dank für denselben. – Mit neuer flammender Begeisterung hat er mich erfüllt, ich sehe, daß der Geliebte muthig und vertrauensvoll unserm großen ewigen Ziele entgegenschreitet.

Ich will alle Hindernisse siegend wie ein Held darniederkämpfen: ich bin dir ganz zu eigen, nun laß mich Gehorsam zeigen. – Ja wir müssen uns sprechen, ich will alle Wetterwolken verscheuchen, die Liebe hat Kraft zu allem. Sie sind der Stern, der meinem Leben strahlt, und wunderbar, stets stärkt mich Ihr Anblick. – Ich brenne nach Ihnen, o mein Heiliger, Angebeteter! Ich würde mich unendlich freuen, den Freund in etwa acht Tagen hier zu sehen, o wir haben uns viel zu sagen! – Gelänge es mir doch, den Fluch, von welchem Sie sprechen, gänzlich zu bannen, zurückzusenden in die nächtlichen Tiefen aus denen er aufstieg! – Wie liebe wie liebe ich Sie, mein Einziger, mein höchstes Gut! –

Meine Begeisterung und Liebe für Sie sind grenzenlos!

Auf das Neue schwöre ich Ihnen Treue bis in den Tod!

Ewig, ewig Ihr für Sie glühender
Ludwig.

Hohenschwangau, den 2. Nov. 1865.

*