Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
MeistgelesenVerlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909
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140. Goethe an Salzmann
[Sesenheim, 5. Juni 1771.]
Mittewoch Nachts.
Ein paar Worte ist doch noch immer mehr als nichts. Hier sitz ich zwischen Thür und Angel. Mein Husten fährt fort; ich bin zwar sonst wohl, aber man lebt nur halb, wenn man nicht Athem holen kann. Und doch mag ich nicht in die Stadt. Die Bewegung und freie Luft hilfft wenigstens was zu helfen ist, nicht gerechnet –
Die Welt ist so schön! so schön! Wer's genießen könnte! Ich bin manchmal ärgerlich darüber, und manchmal halte ich mir erbauliche Erbauungsstunden über das Heute, über diese Lehre, die unsrer Glückseligkeit so unentbehrlich ist, und die mancher Professor der Ethick nicht faßt und keiner gut vorträgt. Adieu. Adieu. Ich wollte nur ein Wort schreiben, Ihnen für's Zuckerdings danken und Ihnen sagen daß ich Sie liebe.
Goethe.
*