Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
MeistgelesenVerlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909
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118. Lieutenant von Warnsdorff an Knebel
Potsdam, Oktober 1776.
Mein bester, liebster, faulster Freund! – ist, glaub' ich, die würdigste Titulatur für einen Menschen, der auf drei kaum eins antwortet, und doch immer verlangt, man soll schreiben, ja, ja doch auf daß ihr Herren euch hübsch gemächlich in Tibur – – was weiß ich's, was ihr da macht? Die Leute sprechen nur so davon, sind böses Volk, mißgönnen Euch das horazische insanire. Doch genug hiervon, seid jung, werdet euch schon bessern.
Eine höhere Begeisterung hebt meinen Flug. Nunc –. Unser Achilles ist fort, er ziehet in Wahrheit gegen den kalten Scamander. Der Himmel sei den armen Myrmidons gnädig, die er da vorfinden wird, um da von neuem den Donquixotischen Helden zu spielen, das arme Volk verflucht und donnert schon von weitem auf sein trauriges Geschick, welches in Wahrheit einer Sibirischen Verweisung ähnlich ist, und auf das arme Regiment, welches kein anderes als das Graf-Anhaltische, 7 Meilen hinter Königsberg in Bartenstein stehende Regiment ist, wo ihn der König zum Kommandeur gemacht hat. Stellt euch meine Empfindung vor, diesen edlen warmen Freund zu verlieren, der mir und euch und mehr ehrlichen Leuten so aufrichtige Freundschaftsdienste geleistet hat. Er ist fort, und ich hoffe, Bornstädt soll bald folgen. Dann will ich doch noch mit Vergnügen hier bleiben, und denken, es wird noch alles gut werden.
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