Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
MeistgelesenVerlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909
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112. Voß an Miller
Jena, 15. Juni 1804.
Ja, Du alter lieber Miller, dein alter lieber Voß soll noch diesen Sommer die alte Freundschaft wieder auffrischen! Nicht die Freundschaft, sondern die alten Erfahrungen mit neuen durchflochten. Nach fast 30 Jahren, als wir in Hamburg schieden! Als die und die noch lebten, der und der noch war, was er nicht aushalten konnte! Auch davon sprechen wir fluechtige Worte, verweilen aber bei dem heiteren; am meisten bei dem heitersten, daß wir uns wieder haben, beide Juenglinge am Geist mit halbgrauer Schlaefe. Ich bitte Dich, Miller, schreib gleich, mit der Pfeife, die noch brennt, im Munde, einen fluechtigen Zettel: »Kommt, ihr Gesegneten; ihr stört uns nicht!« Dann reisen wir freudiger. Wir sind in keinem Stücke verwoehnt, und machen nirgends Unruhe, wo man uns kennt. Aber Dein schwäbisches Leibgericht sollt Ihr mir einmal auftischen, darauf poche ich! Kein Wort mehr, bis wir uns sehn – uns wiedersehn! Mein Miller und sein
Voß.
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