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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

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von Anthologien

Verlag: Verlag Julius Zeitler | Jahr: 1909

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Kapitel 109

107. Bürger an Kannengießer in Ürtzen

Du trauter alter Kumpan willst dich also auch noch an meinen Reimereien erbauen? Hier sind sie; ich wünsche guten Appetit und gesegnete Mahlzeit! Der erste Wunsch trifft vielleicht ein, weil du lange genug hast hungern müssen. Eine Reise zu meinen zwey Schwestern in Chursachsen, die ich im vorigen April antrat und nur drey Wochen dauern sollte, gleich wohl aber sich erst gestern geendigt hat, ist Schuld an diesem schändlichen Verzuge, der sonst unverantwortlich seyn würde. Du hättest wohl billig ein Frey-Exemplar von mir haben sollen, wie so viele andere, die mir noch lange nicht so nahe sind, als mein alter Freund. Aber so wahr ich ein Lumpenhund bin und bleibe bis an mein seliges Ende, ich habe von allen meinen hundert, die ich zu verspendieren hatte, kein einziges mehr übrig, und weil dein Opfer einmahl hier und bey dir verschmerzt ist, so will ichs auch in die Tasche schieben. Aber du hast mir 6 Gr. zu viel geschickt. Dafür sollst Du, wenn du einmahl wieder nach Göttingen kommst, einen tüchtigen Hieb von Schnaps Conradi zu gute behalten.

Ja, wenn ich nicht meine drey Pfennige auf der Sächsischen Reise verjunkerirt hätte, so käme ich wohl noch nach Pyrmont. So aber – bin ich jetzt ein canis pediculorum. Nun, vielleicht übers Jahr und dann auch gewiß zu Dir und Deiner jungen Frau – es ist doch wahr, daß Du Dir eine zugelegt hast? – nach Ürzen.

Und damit gehab Dich wohl, denn ich habe 83 Briefe zu beantworten, die unter dessen eingelaufen sind. Behalt mich lieb und sey meines herzlich freundschaftlichen Andenkens versichert.

Göttingen d. 13. Jul. 1789.

Dein
G. A. Bürger.

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