Gedichte. Erster Theil
MeistgelesenVerlag: Rieger'sche Verlagsbuchhandlung | Jahr: 1871
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An die Muse.
Wer, Muse, dein göttliches Angesicht sieht,
Dem lodert's im Busen, dem zittert und glüht
Im Auge die brünstige Liebe;
In dreimal gedoppelten Schlägen geht hoch
Das Herz ihm, pocht höher und mächtiger noch
Vom stärksten der himmlischen Triebe.
Und beutst du ihm oben gefällig den Schoos,
So kämpft er von irdischen Banden sich los
Und schwingt sich mit ringendem Fluge
Zu dir auf, und hängt an Mund dir und Brust,
Und trinket sich Wonne und trinket sich Lust,
Im langen verschlingenden Zuge.
Und faßt ihn dein Arm, und befeu'rt ihn dein Kuß,
So strömet ihr taumelnd im feurigen Guß,
Wie Flamme mit Flamme, zusammen:
Da reißt er dir ringend den Gürtel entzwei,
Und wohnet in männlicher Fülle dir bei,
Und schenket zu Kindern dir Flammen.
Doch Jeglichem, der eine Metze dich glaubt,
Und geil mit Gewalt dir Umarmungen raubt,
Dem lohnest den Frevel du bitter;
Er windet sich kraftlos, und stillet an dir
Die schnöde, sich selbst überlegene Gier,
Und zeuget sich – Krüppel und Zwitter.
*