| I Gut ist und schön, ein Jahr Soldat zu sein. Man lebt so länger. Und man freut sich doch Mit jedem Funken Zeit, den man dem Tod entreißt. Dies arme Hirn, zerfetzt von Städtersehnsucht, Blutig von Büchern, Leibern, Abenden, Trostlos betrübt und aller Sünden voll Dreiviertel schon zerstört – kann nun Beim Stillestehen und beim Aufmarschieren, Beim Armerollen und beim Beineschwingen In einer Ecke des Schädels sanft verrosten. O, der Gestank in einer Marschkolonne. O, Laufschritt über holdes Frühlingsland. II Ich muß eine Stunde vor den anderen kommen, Weil ich schlecht geschossen habe. Ich werde wohl nicht befördert werden. Und nachexerzieren muß ich zur Strafe, Weil ich, während die anderen vorschriftsmäßig Starr auf die Mütze der Vorderen blickten, Als wir vor der roten Sonne Über die leuchtenden Felder marschierten, Vorsichtig zu dem kleinen Flieger schielte, Der über mir in dem großen, glühenden Abendhimmel wie eine Biene summte. III Ich weiß, ich weiß: dies Leben ist gesund. Zwar hört man meine Griffe kaum, Doch hau ich mir die Hände wund. Statt auf dem verfluchten Kasernenhof Könnte ich jetzt in einer Wiese sein. Vor versammelter Mannschaft fängt ein Mann Bitterlich zu weinen an. IV Ich habe manchmal Angst: ein Jahr ist lang, Unendlich lang. Und ewig Beineschwingen... Den ganzen lieben Tag beim Körperkneten Und beim Parademarsch, beim Platzpatronenschießen Die Welt vergessen müssen...daß man noch am Abend Beim Bier ganz dumpf ist, noch beim Schlafengehn Den schweren Helm auf seiner Stirne spürt – Und in der Nacht von den Sergeanten träumt – – V Schon kommen Sonntage und Abende, In denen ich ganz leer und lustlos schreite, Ganz gläsern bin, zum Spaß mit Hunden spiele, Ach, oder kleine Steine, die ich fand, Mühsam und sinnlos durch die Straßen schleife. Oft steh ich auch an meinen Fenstern faul herum, Unschlüssig: soll ich nun in Bierlokalen Mit Kameraden runden Stumpfsinn pflegen, In flinken Kinos meine müden Elenden Stunden töten und zum Zeitvertreib Gutwillige Mädchen suchen: oder soll ich nur In meiner Stube endlos auf und ab gehen. Ich, der die Nächte wie ein Narr durchlief, Zum Himmel schreiend tausend Wunder suchte. |