«Reiten, reiten, reiten» – das konnte der Dichter neunzehnten Jahrhunderts mit Wolken und Mond noch. Uns blieb der Ritt in Stahl und Benzin; besser: dazwischen. Es bleibt kaum Tag für den Fischzug der Bazare, und nächstens werden persönliche Bedürfnisanstalten sowie Selbstbedienungskrematorien verabfolgt. Paradiese sind selten. Dreizehn Meter über den Straßen beginnt schon der Himmel. Anschließend – Kaugummi – spult sich der Tag wieder rückwärts – Radio – und später knallen die gelben und blauen Taxis den Rest vor die Haustür.
Den Rest –: Die Lippen, die zückenden Zungen, die Wasserstoffblonden, und wieder den Rest – was dann bleibt: Blumen vielleicht – Scharteken, und schmal auch so weiße empfindliche Bändchen – (man sollte die Hände sich waschen vor Versen).
Auch jenes schwarzweiße Zwiegespräch mit dem Ausdruck von Tiefsee und Stratosphären hat zum Hintergrund kleine Mustersongs von Missouri-Banditen. Darling – vielleicht – wir reisen bei Ebbe – wir wagen die älteste Stromfahrt. Im Innern der Insel – tat twam asi – wer weiß, was für Oasen dort brennen.
II
Episoden im Treppenhaus haben plötzlich Bedeutung –: Fielen nicht Worte wie Datteln den Liftschacht hinunter?
«Sie trinken Milch aus den Schläuchen Unbekannter, und ihre Eselinnen bläst ein Samun über achtzehn Etagen...» «Sie treiben die roten Igel aus Eisen durch die faulen Kanäle der Stadt, und wenn sie sich abends umarmen, im Schneegestöber und unter der Sonne Siziliens, denken sie gleichwohl: Es soll noch leben wo im Gestänge Leviathans . . .»
«Gratis den Traum, die Gesteinsart fremder Planeten, eingesprengt in die Tartufferie allgemeiner Bildung . . .» und gratis auch: «Schritte, die ahnen lassen, was der Azur von uns hält –» Was es auf sich hat mit dem täglichen Parnaß, mit dem Land über Dächer.
III
In Kentucky soll eines Morgens der Gekreuzigte Samba getanzt haben –: was natürlich schwer schadete seinem Ruf. Aber: Rufen wir denn nicht immer? Ja, schreien denn nicht alle Maschinen nach Meer? Die Vögel nach Propellern und der neue Nash nach Unsterblichkeit? Herrlich wie am ersten Tag – oh Margaret-Rose –: Purpur über indischen Balkonen, Bananen auch, sozial und Suez und schlußendlich doch die Daunen. Vieles endet der Schlaf, vor allem vorher, nur die Mistel grünt standhaft durch den Dezember . . .
Da hilft keine Story weiter als bis in das Tal des Todes (Texas, Dixieland), kein Festspiel, kein zweiter Wahlgang – Hier baut der Geist seine Sphinxen! Denn niemand denn die Legion hat die Brunnen vergiftet. Fata morgana? Nein! Poesie des Bösen: Mord auf Distanz.
Alexander Xaver Gwerder: Gedichte · Alexander Xaver Gwerder
Kapitel 13: Die Weise vom Kriterium eines Heutigen
«Reiten, reiten, reiten» – das konnte der Dichter neunzehnten Jahrhunderts mit Wolken und Mond noch. Uns blieb der Ritt in Stahl und Benzin; besser: dazwischen. Es bleibt kaum Tag für den Fischzug der Bazare, und nächstens werden persönliche Bedürfnisanstalten sowie Selbstbedienungskrematorien verabfolgt. Paradiese sind selten. Dreizehn Meter über den Straßen beginnt schon der Himmel. Anschließend – Kaugummi – spult sich der Tag wieder rückwärts – Radio – und später knallen die gelben und blauen Taxis den Rest vor die Haustür.
Den Rest –: Die Lippen, die zückenden Zungen, die Wasserstoffblonden, und wieder den Rest – was dann bleibt: Blumen vielleicht – Scharteken, und schmal auch so weiße empfindliche Bändchen – (man sollte die Hände sich waschen vor Versen).
Auch jenes schwarzweiße Zwiegespräch mit dem Ausdruck von Tiefsee und Stratosphären hat zum Hintergrund kleine Mustersongs von Missouri-Banditen. Darling – vielleicht – wir reisen bei Ebbe – wir wagen die älteste Stromfahrt. Im Innern der Insel – tat twam asi – wer weiß, was für Oasen dort brennen.
II
Episoden im Treppenhaus haben plötzlich Bedeutung –: Fielen nicht Worte wie Datteln den Liftschacht hinunter?
«Sie trinken Milch aus den Schläuchen Unbekannter, und ihre Eselinnen bläst ein Samun über achtzehn Etagen...» «Sie treiben die roten Igel aus Eisen durch die faulen Kanäle der Stadt, und wenn sie sich abends umarmen, im Schneegestöber und unter der Sonne Siziliens, denken sie gleichwohl: Es soll noch leben wo im Gestänge Leviathans . . .»
«Gratis den Traum, die Gesteinsart fremder Planeten, eingesprengt in die Tartufferie allgemeiner Bildung . . .» und gratis auch: «Schritte, die ahnen lassen, was der Azur von uns hält –» Was es auf sich hat mit dem täglichen Parnaß, mit dem Land über Dächer.
III
In Kentucky soll eines Morgens der Gekreuzigte Samba getanzt haben –: was natürlich schwer schadete seinem Ruf. Aber: Rufen wir denn nicht immer? Ja, schreien denn nicht alle Maschinen nach Meer? Die Vögel nach Propellern und der neue Nash nach Unsterblichkeit? Herrlich wie am ersten Tag – oh Margaret-Rose –: Purpur über indischen Balkonen, Bananen auch, sozial und Suez und schlußendlich doch die Daunen. Vieles endet der Schlaf, vor allem vorher, nur die Mistel grünt standhaft durch den Dezember . . .
Da hilft keine Story weiter als bis in das Tal des Todes (Texas, Dixieland), kein Festspiel, kein zweiter Wahlgang – Hier baut der Geist seine Sphinxen! Denn niemand denn die Legion hat die Brunnen vergiftet. Fata morgana? Nein! Poesie des Bösen: Mord auf Distanz.