Das Narrenschiff
MeistgelesenVerlag: Philipp Reclam jun. | Jahr: 1964 | Übersetzer: H. A. Junghans
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Von Glückes Zufall
37.
Wer sitzet auf des Glückes Rade,
Der schaue, daß kein Fall ihm schade
Und daß als Narr er komm zum Bade.
Der ist ein Narr, der hochauf steigt,
Daß seine Scham der Welt er zeigt,
Und sucht stets einen höhern Grad
Und denkt nicht an des Glückes Rad.
Was hochauf steigt in dieser Welt,
Gar plötzlich oft zu Boden fällt. Sprichwörtlich: Eyn yedes ding wann es uffkunt / Zuom höchsten / felt es selbst zuo grunt. Ähnlich schon bei lat. Autoren: Claudian 3, 22; Senecas Thyestes V. 615.
Kein Mensch so hoch hier kommen mag,
Der sich verheißt den künftgen Tag,
Und daß er Glück dann haben will,
Denn Klotho Sprichwörtlich: Eyn yedes ding wann es uffkunt / Zuom höchsten / felt es selbst zuo grunt. Ähnlich schon bei lat. Autoren: Claudian 3, 22; Senecas Thyestes V. 615. hält ihr Rad nicht still,
Oder den sein Reichtum und Gewalt
Vorm Tod einen Augenblick erhalt'.
Wer Macht hat, der hat Angst und Not,
Viel sind um Macht geschlagen tot.
Die Herrschaft hat nicht langen Halt,
Die man muß schirmen mit Gewalt.
Wo keine Lieb und Gunst der Gemein',
Da ist viel Sorge – und Freude klein.
Es muß viel fürchten, wer da will,
Daß ihn auch sollen fürchten viel.
Nun ist die Furcht ein schlechter Knecht,
Sie kann nicht lange hüten recht.
Wer innehat Gewalt, der lerne
Liebhaben Gott und ehr ihn gerne.
Wer Gerechtigkeit hält in der Hand,
Des Macht kann haben gut Bestand;
Des Herrschaft war wohl angelegt,
Um dessen Tod man Trauer trägt.
Weh dem Regenten, nach des Tod
Man sprechen muß: »Gelobt sei Gott!«
Wer einen Stein wälzt auf die Höh,
Auf den fällt er und tut ihm weh, Jesus Sirach 27, 28.
Und wer vertrauet auf sein Glück,
Fällt oft in einem Augenblick.