Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte
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Kapitel 293
Fels-Weihegesang
(An Psyche)
| Veilchen bring ich getragen Junge Blüten zu dir, Daß ich dein moosig Haupt Ringsum bekränze, Ringsum dich weihe, Felsen des Tals. | ||
Sei du mir heilig. Ich sah von dir Ich irrer Wandrer Da, wo wir lieben, Schrieb meinen Namen Und aus dem fernen Sei du mir heilig, | ||
| Ich sehe sie versammelt Dort unten um den Teich; Sie tanzen einen Reigen Im Sommerabendrot. Und warme Jugendfreude Webt in dem Abendrot, Sie drücken sich die Hände Und glühn einander an. Und aus den Reihn verlieret Sich Psyche zwischen Felsen Und Sträuchen weg, und trauernd Um den Abwesenden Lehnt sie sich über den Fels. Wo meine Brust hier ruht, An das Moos mit innigem Liebesgefühl sich Atmend drängt, Ruhst du vielleicht dann, Psyche. Trübe blickt dein Aug In den Bach hinab, Und eine Träne quillt Vorbeigequollnen Freuden nach; Hebst dann zum Himmel Dein bittend Aug, Erblickst über dir Da meinen Namen. – Auch der – Nimm des verlebten Tages Zier, Die bald welke Rose, von deinem Busen, Streu die freundlichen Blätter Übers düstre Moos, Ein Opfer der Zukunft. | ||