Lafontaines Fabeln
MeistgelesenVerlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm
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4. Die Ohren des Hasen
Einst stieß aus Ungeschick ein Hornvieh mit dem Horn
Den Löwen, der, erfüllt von Zorn,
Damit's nicht wieder ihm geschähe,
Ein jedes Tier aus seiner Nähe
Verbannt, das an der Stirn etwas wie Hörner trug.
Stier, Widder, Ziegenbock begannen auszuwandern,
Das Damwild auch sucht einen andern
Wohnort – sie eilten schnell genug.
Ein furchtsam Häslein sah den Schatten seiner Ohren
Und meint', um ihre Länge schon
Erklärt' am Ende sie für Hörner ein Spion;
Ob solcher Hörner hielt er fast sich für verloren.
»Leb', Nachbar Grille, wohl!« spricht er »Ich geh von hier;
Zu Hörnern macht man gar noch meine Ohren mir!
Und wenn sie kürzer noch als Straußenohren wären,
Ich hätte dennoch Furcht.« Die Grille aber lacht:
»»Dies Hörner? Das, dein Wort in Ehren,
Sind Ohren, wie sie Gott gemacht.««
»Hier aber hält man sie für Hörner«
So spricht der Hasenfuß »für Einhornriesenhörner.
Was Reden und Beweis? Was Gründe, ein und aus?
's wär' alles nur fürs Narrenhaus.«