← Zurück zur Startseite

Lafontaines Fabeln

Meistgelesen

von Jean de La Fontaine

Verlag: Georg Bondi | Jahr: 1913 | Übersetzer: Ernst Dohm

Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:

Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:

Wie verwende ich eine EPUB-Datei?
Kapitel 200

9. Der Hund mit den verschnittenen Ohren

Was tat ich, um vom eignen Herrn
Also verstümmelt mich zu sehen?
Ein schöner Zustand! Wird noch gern
Einer der andern Hund' in Zukunft mit mir gehen?
Ihr Herrn der Tiere, nein, Quäler voll Tyrannei,
Wer läßt euch gleiches wohl erleiden?«
Muffel, die Dogge, schrie also. Man war dabei,
Herzlos und ungerührt von seinem Schmerzensschrei,
Ihm ohn' Erbarmen just die Ohren zu verschneiden.
Muffel klagt den Verlust; doch merkt' er bald, es sei
Gewinn noch gar für ihn: geschaffen, Seinesgleichen
Zu packen, wär' vielleicht nach manch mißlungnen Streichen
Er heimgekehrt und hätte dann
Von jenem Körperteil ein Stückchen wohl verloren;
Ein biss'ger Köter hat ja stets zerriss'ne Ohren.

Ein Glück, je weniger der Feind uns nehmen kann!
Hat man nur einen Platz zu schützen: nimmer lassen
Wir ihn, weil Ärgernis wir hassen.
So Muffelchen: als Wehr hat er ein Halsband bloß,
Vom Ohr 'nen Rest, nicht ganz wie mein Handteller groß!
Der Wolf wüßt' nimmer, wo ihn fassen.