Schon floh die Mitternacht. – Noch aber pocht's – Durch meine Brust wie ein titanisch Wollen, Das nach der That wie nach Erlösung dürstet – Das vor der That wie vor der Hölle schaudert.. Ich fühle meine Schultern atlasstark, Es blitzt mein Blick – es blüht mein junges Mark – Wie ein Gigant möcht' aus den Angeln heben Ich diese morsche, pestzerfressne Welt Und einer neuen neues Leben geben, Drin sich das Ew'ge makellos behält . . . Nun lastet's auf mir wie Myriaden Sünden, Die mich zerschnüren und zerstampfen, Wie Wahnsinnsfratzen mir das Hirn umdampfen, Wie Hurenatem meine Seele schinden . . . So such' ich, schwärmend in des Weltalls Weiten, Vergangenheit und künft'ge Ewigkeiten – Durchfühlend auf sekundenkurzer Spur, Vor mir zu flieh'n in göttergroßem Wagen, In männlich starkem, freiem Weltentsagen – Und nie entrinnst du dir, o Creatur! . . . Es ekelt mich der Menschheit Würmerbrut – Nun wächst mein Herz in der Begeistrung Glut – Sie gleitet hin wie kraftlos flücht'ge Wellen, Die aufwärts steigen, wieder zu zerstäuben – Sich einen Augenblick In namenlosem Glück Als Weltenspiegel zu betäuben . . . Das macht: ich bin – o grenzenloser Hohn! – Ich bin der Zeit getreuer, echter Sohn! Ich muß die Wunden fühlen, die ihr Leib Wie ein zerschändet, ehrenloses Weib Mit sich herumschleppt, prunkend bald – Bald schamgekrümmt – – ich muß – ich muß Sie fühlen, wie der Dichter nur sie fühlt, Dem Nichts den Feuerfraß der Schmerzen kühlt, Den die Dämonen kreuz'gen mit dem Kuß . . . – – – – – – – – – – – – – – – Wie Christus, Dante, Michel Angelo, Die Riesen, unbegreiflich vor mir ragen, Ragt auch in diesen dunklen Zweiflertagen Vor mir der Zeit tiefinnerstes Geheimniß . . . Ich kann es fühlen – und doch nicht begreifen, Sein Wesen spür' ich durch die Seele zittern, Doch find' ich nicht die Lösung, die es tilgt . . . Es schürt in mir – sein Atem sä't Verderben, Die Brandung schreit – und Stürme, sie erschüttern, Entwurzeln mich – doch ob die Brust auch brüllt, Nach Wahrheit, wie der Leu nach Freiheit brüllt, Den sie gefangen hinter Eisengittern: Die Sehnsucht meiner Seele wird doch nie gestillt . . Der Zeit Geschwüre kann ich nicht verwinden – Es lasten auf mir ihre harten Sünden – Ich bin der Sohn der Zeit – doch ach! ihr Götter! – Ich bin ihr Sohn – doch nicht ihr Retter! . . . |