Nicht war mir zu Willen Deine lebendige Seele! Und nicht umtönte mich Ihrer tiefsinnigen Sprache Ergreifender Urlaut . . . Doch deinen Leib – doch deinen Leib Hab' ich besessen Und deine Glieder Kühnlich betastet – Und meine Hand – Meine heiße irrende Hand – Fand Huld und Heimat Im Thal deiner Brüste . . . Und dein Leben spürt' ich – Dein lebendiges Leben! . . . Den Rhythmus des Blutes – Von den Lippen dir sog ich Die Frucht seines Kreisens . . . Und das Leben umfing ich – Das lebendige Leben . . . Aber deine Seele war stumm, Und wortlos dein Auge Als ahnten sie kaum Der Wonneschmerzen Verschleierten Tiefgang – Die Schmerzenswonnen, Die sich gebären, Flackernde Flammen, Giebt sich dem Menschen Der göttliche Mensch Im Namen des Geistes, Der das Ewige fügt Zum Gebilde der Stunde – All-einig Bewußtsein Zeugt und entfaltet, Ein pfadkundiger Tröster! . . . Aber deine Seele war stumm, Als deckte sie Schlummer – Als träumte entrückt sie Zu anderen Sphären, Die Nahsein den Göttern Heiter gewähren . . . Mich aber verwarf sie Und meiner Seele Brünstiges Rufen . . . Da quoll es empor – Und meine Sehnsucht, Die dich nicht beseelt, Wandelte trotzig Zu irdischer Lust sich Nach jener Sünde, Die wurzelnd im Staube Vom Staube sich sättigt . . . Und mich zerfraß Die Flamme der Wollust – Und wühlte sich ein Und füllte mich ganz Und mordete meuchlings All' meine Gottheit! . . . Und ich betastete dich – In deine Glieder verkrampft – Als sei ich von Sinnen – Als hätte ich niemals Meiner Seele Freiheit Auch nur geahnt – Als hätt' ich mich niemals Voll feuriger Kraft Zu den Göttern entrafft! Durch mein Hirn Schossen die Ströme Brennender Wollust – Und es versengte Der verruchte Drang mich, Dich zu zermalmen Unter den Strudeln Meiner entarteten Lust! Aber da lagst du – Bleich, wie ohne Seele, Wie ohne tiefstes Lebensbedürfniß . . . Und jeder Zug In deinem blöden Verstumpften Antlitz Stieß sich mir in's Hirn Und redete deutlich: Daß ich dich nur gekauft . . . Weib! Da kam es über mich – Da kroch es heran – Es lastete sich auf mich Und ich wähnte – Ich wähnte, es wiche – Es wiche jählings Unter meinen zuckenden Fingern Dein warmfeuchtes Leben . . . Und Grausen schlug mich . . . Und mich zerschnitt Der eiskalte Anhauch, Der auf den Poren Deines Leibes emporquoll, Sich um mich gürtete Mit Klammern der Angst . . . Und ich warf dich von mir . . . Mein Auge aber – Mein hellsichtiges Auge, Schaute Bilder und Zeichen Und durchdrang Die Herzen der Menschen . . . Und ich sah Tausend Mal, tausend Mal! – Immer wieder Das letzte Eine: In jede Seele Mit Blutschrift gebrannt: Verkauft! Ueber die weiten Märkte des Lebens Rollt unaufhaltsam, Nächte und Tage, Ohne Labung und tröstende Sonne Die Sclavencolonne Der verkauften Creaturen, – Zu Schächern und Huren Niedergezwungen Von den Fäusten der Not, – Zum alltagsüberstaubten, Hoffnungsberaubten, Listkampf um's Brot . . . Und ich sah zu dir nieder, Weib, Und du sahest zu mir empor, – Weib – Und wie Verwunderung, – Wie eine Frage Las ich in deinen todten Augen . . . Tröste dich, Weib! Du seelenloses! Ich habe noch eine Seele, Die einmal, einmal – Mit dem Kanaan-Wasser Der Freiheit getauft! Leider! – oh leider Ist sie zu drei Viertel Auch schon glücklich – verkauft! |