Gustav Schwabs Gedichte
MeistgelesenVerlag: Verlag von C. Bertelsmann | Jahr: 1882
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Die stille Stadt.
Lieder und vermischte Gedichte.
1809
Nenne mir die stille Stadt,
Die den ew'gen Frieden hat,
Deren düstere Gemächer
Sanft sich bauen grüne Dächer:
Über ihrer Häuser Zinne
Wandelt ernst der Fremdling hin,
Ziehet fort und hält nicht inne,
Grauen fasset ihm den Sinn.
Aber endlich tritt er wieder
Zitternd auf das morsche Dach,
Und die Wölbung sinket nieder,
Daß er stürzt in das Gemach.
Drunten in den Hallen traurig
Sieht er da die Bürger ruhn,
Alle liegen stumm und schaurig,
Mögen keinen Gruß ihm thun.
Die geschloßne Pforte kündet
Ihm sein ewig Bürgerrecht,
Und der arme Wandrer findet
Bald ein Bettlein recht und schlecht,
Ist des Prunkens müde worden,
Schickt sich in den stillen Orden,
Legt sich nieder in der Stadt,
Die den ew'gen Frieden hat.