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Fragmente und Fabeln

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von Gotthold Ephraim Lessing

Verlag: Gustav Tempel

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Kapitel 71

Kapitel 71

3. Der Geist des Salomo

Ein ehrlicher Greis trug des Tages Last und Hitze, sein Feld mit eigner Hand zu pflügen und mit eigner Hand den reinen Samen in den lockern Schooß der willigen Erde zu streuen.

Auf einmal stand unter dem breiten Schatten einer Linde eine göttliche Erscheinung vor ihm da! Der Greis stutzte.

Ich bin Salomo, sagte mit vertraulicher Stimme das Phantom. Was machst Du hier, Alter?

Wenn Du Salomo bist, versetzte der Alte, wie kannst Du fragen? Du schicktest mich in meiner Jugend zu der Ameise; ich sah ihren Wandel und lernte von ihr fleißig sein und sammeln. Was ich da lernte, das thue ich noch. –

Du hast Deine Lection nur halb gelernt, versetzte der Geist. Geh noch einmal hin zur Ameise und lerne nun auch von ihr in dem Winter Deiner Jahre ruhen und des Gesammelten genießen.