Arm wie Jesus Christus. Wie Jesus Christus? Den die Reichen der Erde Als ihren Schutzpatron ausrufen Gegen den »Pöbel«. Und des Menschen Sohn hat noch nicht, Wo er sein Haupt hinlegen könnte. Nein! Eins erbitt ich mir doch vom Schicksal: Täglich jeden Abend, Nach der mörderischen Hetzjagd des Daseins – Diese mörderische Hetzjagd Müssen wir alle über uns ergehn lassen – Meine Henry Clay rauchen zu dürfen Zur Beruhigung. Sonst nichts.
Denn arm sein bringt auch Erfrischung. »Ich bin arm«: Wie einen dann alle gleich meiden, Wie einen Pestkranken. Keine Bettelbriefe mehr, Keine lästigen Besucher mehr. Und dann das angenehme auf dem Balkon stehn Und auf die Menge lächelnd hinunterschaun: Auf diesen Schmutzhaufen von Neid und Scheelsucht Und all die andern unzähligen Lieblichkeiten Des Lebens und des lieben Nächsten. Ich sehe das Alles so fröhlich Vom Balkon meiner Armut.
Das ist der Armut schöne Einsamkeit, Das ist der schönen Einsamkeit Noch viel, viel schönere Freiheit: Ich kann auf die Haide gehn Und mir eine Höhle graben Und darüber schreiben: »Lat mit tofreeden. Hier wohnt Herr Friedrich Wilhelm Schultze. Eintritt verboten!« Eia, muß das herrlich sein!
Detlev von Liliencron: Bunte Beute · Detlev Freiherr von Liliencron
Arm wie Jesus Christus. Wie Jesus Christus? Den die Reichen der Erde Als ihren Schutzpatron ausrufen Gegen den »Pöbel«. Und des Menschen Sohn hat noch nicht, Wo er sein Haupt hinlegen könnte. Nein! Eins erbitt ich mir doch vom Schicksal: Täglich jeden Abend, Nach der mörderischen Hetzjagd des Daseins – Diese mörderische Hetzjagd Müssen wir alle über uns ergehn lassen – Meine Henry Clay rauchen zu dürfen Zur Beruhigung. Sonst nichts.
Denn arm sein bringt auch Erfrischung. »Ich bin arm«: Wie einen dann alle gleich meiden, Wie einen Pestkranken. Keine Bettelbriefe mehr, Keine lästigen Besucher mehr. Und dann das angenehme auf dem Balkon stehn Und auf die Menge lächelnd hinunterschaun: Auf diesen Schmutzhaufen von Neid und Scheelsucht Und all die andern unzähligen Lieblichkeiten Des Lebens und des lieben Nächsten. Ich sehe das Alles so fröhlich Vom Balkon meiner Armut.
Das ist der Armut schöne Einsamkeit, Das ist der schönen Einsamkeit Noch viel, viel schönere Freiheit: Ich kann auf die Haide gehn Und mir eine Höhle graben Und darüber schreiben: »Lat mit tofreeden. Hier wohnt Herr Friedrich Wilhelm Schultze. Eintritt verboten!« Eia, muß das herrlich sein!