| Sie ist schon an die fünfzig heran Und stellt noch immer ihren Mann, Und weiß in den krummen, verrufnen Gassen Gut auf ihr Geschäft zu passen. Zwar trinkt sie zuweilen zu viel Bier Und ist dann betrunken wie ein Tier. Im übrigen, nun, sie wird mal verderben, Und muß, wie wir alle, dran glauben und sterben. Noch einmal möcht sie die Heimat sehn. Das will ihr nicht aus dem Kopf rausgehn. Sie schmückt sich mit dem, was ihr steht zu Gebot, Und schminkt sich die Backen kräftig rot. Und steht auf dem Bahnhof, nimmt ein Billet, Fährt dritter Klasse ganz nett und honett, Und läßt dort ihre Talmipretiosen Von den Mitfahrenden neidisch bebosen. Da ist die Station. Hier steigt sie aus Und hat noch ein Stündchen bis nach Haus. Die Eltern leben schon lange nicht mehr, Sie sucht vergebens, fragt hin und her Nach Hans und Trina, nach Peter Krohn, Doch keiner kennt mehr die alte Person. Nun gibt sie im Dorfkrug »einen aus« Und verzehrt einen ziemlich tüchtigen Schmaus. Die Bauern haben sie bald umstellt Und flüstern: »Gottverdori, de Dam hett Geld.« Am Nachmittag hält hier die innre Mission Einen gewaltigen Kirchensermon. Auch spricht von der äußern Herr Missionar Schnuggen Von dem Menschenfresserstamm der M'nemuggen. Der Gutsbesitzer, Baron von den Eichen, Ein frommer Mann, ganz ohnegleichen, Gibt den Platz her in seinem Park Und steuert einen Beitrag von neunhundert Mark. Das Wetter ist herrlich, das Fest verläuft, Bis alles in Tränen der Rührung ersäuft. Doch will ich frisch und mit Freuden bekennen: Es ist dabei viel Gutes zu nennen, Manch echtes Wort der Herren Pastoren Ging nicht wie Spreu im Wind verloren. Als nun die Herren Hirten gesprochen, Ist der heilige Bann gebrochen. Da darf denn wohl ein sittsam Vergnügen Keiner der »lieben Versammelten« rügen. Erst tutet noch der Posaunenchor Der christlichen Jünglinge allen was vor. Dann wird es zwangloser: Topfschlagen und Spiel, Zuletzt sogar, weils heut mal gefiel, Will man ein unschuldig Tänzchen wagen Und tummelt sich fröhlich und mit Behagen. Was? Auch der Herr Baron von den Eichen, Dieser fromme Mann ganz ohnegleichen, Bewegt sich mitten im Tänzerkreise Und tanzt eine lustige Walzerweise Mit der Dame, die heute früh angekommen Und an dem Seelenfest teilgenommen. Aber plötzlich läßt dies Lamm aller Lämmer Jählings fallen seinen Klemmer. Nahm seine Tugend überhand? Hat er sie einstmals vielleicht gekannt? Und er löst sich los von der städtischen Taube, Und macht sich regelrecht aus dem Staube. Herr Kandidat Bozi, ein hübscher Junge, Denkt, da bin ich mal schön im Schwunge, Und tanzt auch mit der »Dame aus der Stadt,« Die sein schüchtern Herz gefangen hat. Ja, später hat er, jasminenumlaubt, Ihr gar ein leichtes Küßchen geraubt, Und träumte dann die ganze Nacht, Wie ihn dies Küßchen so selig gemacht. |