← Zurück zur Startseite

August Bebel: Die Frau und der Sozialismus

Meistgelesen

von August Bebel

Verlag: Verlag J.H.W. Dietz Nachf. | Jahr: 1994

Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:

Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:

Wie verwende ich eine EPUB-Datei?
Kapitel 48

Kapitel 48

Erwerbszweige, in welchen die weiblichen Arbeiter Englands an Zahl die männlichen erheblich übertrafen, waren hauptsächlich folgende:

WeiblichMännlich
Häusliche Dienste1.690.686124.263
Konfektionsindustrie711.786414.637
Textilindustrie663.222492.175
darunter Baumwollindustrie328.793193.830
darunter Woll- und Garnindustrie153.311106.598
darunter Hanf, Jute104.58745.732
darunter Seidenindustrie22.5898.966
darunter Stickerei28.9629.587

Die Bezahlung der Frauen ist in fast allen Branchen erheblich niedriger als jene der Männer bei gleicher Arbeitszeit. In der Textilindustrie betrug nach der neuesten Enquete der Durchschnittswochenverdienst in 1906 für Männer 28 Schilling 1 Penny (28,55 Mark) und für die Frauen nur 15 Schilling 5 Pence (15,66 Mark) Textile Trades in 1906. London 1909. . In der Fahrradindustrie, wo in der letzten Zeit, infolge Einführung des maschinellen Betriebs, die Frauenarbeit sich rasch entwickelt, bekommen die Frauen pro Woche nur 12 bis 18 Schilling, wo die Männer 30 bis 40 Schilling verdienten E. Cadbury, E. Matheson und G. Shann, Women's work and wages. S. 121. London 1906. . Dieselbe Erscheinung begegnet uns in der Papierindustrie, in der Buchbinderei und in der Schuhwarenindustrie. Besonders schlecht wird bezahlt die Frauenarbeit in der Wäschekonfektion: 10 Schilling pro Woche ist schon ein guter Verdienst. »Im allgemeinen verdient eine Frau ein Drittel oder die Hälfte des Wochenlohnes eines Mannes« E. Cadbury and G. Shann, Sweating, S. 76. London 1907. .

Ähnliche Unterschiede in der Bezahlung bestehen zwischen Männern und Frauen im Postdienst, im Lehrfach. Nur in der Baumwollindustrie in Lancashire verdienten beide Geschlechter bei gleicher Arbeitszeit fast die gleichen Löhne.

In den Vereinigten Staaten entwickelte sich die Frauenarbeit folgendermaßen:

188018901900
Landwirtschaft594.510678.884977.336
Freie Berufe177.255311.687430.597
Häusliche und
persönliche Dienste
1.181.3001.667.6512.095.449
Handel u. Transport63.058228.421503.347
Fabriken631.0341.027.9281.312.668
%%%
Total Frauen2.647.15714,73.914.57117,45.319.39718,8
Total Männer14.774.94285,318.821.09082,623.753.83681,2
17.392.099100,022.735.661100,029.073.233100,0

Wir sehen hier, daß die Zahl der erwerbstätigen Frauen von 3.914.571 im Jahre 1890 auf 5.319.397 im Jahre 1900 gestiegen ist, also bedeutend schneller als die Gesamtbevölkerung, die sich von 1890 mit 62.622.250 bis 1900 mit 76.303.387 Köpfen nur um 21 Prozent vermehrt hat. Ebenso unaufhaltsam fällt relativ die Zahl der beschäftigten Männer, die von Frauen verdrängt werden. So kommen jetzt von 100 Erwerbstätigen auf Frauen 18,8, dagegen im Jahre 1880 nicht mehr als 14,7 Prozent.

Es gibt fast keinen Beruf, außer 9 (aus 312), in dem die Frauen nicht beschäftigt wären. Nach dem Zensus von 1900 gibt es unter ihnen sogar 5 Lotsen, 45 Lokomotivführer und Heizer, 185 Schmiede, 508 Maschinisten, 11 Bohrer, 8 Kesselschmiede. »Diese Zahlen haben selbstverständlich keine große soziologische Bedeutung. Sie beweisen nur, daß es sehr wenig Berufe gibt, von denen die Frauen absolut ausgeschlossen sind, sei es infolge ihrer Naturbeschaffenheit oder aus Rücksichten auf das Gesetz« Statistics of women at work. S. 31. Washington 1908. .

Besonders stark sind die Frauen vertreten in folgenden Berufen: Dienstmädchen und Kellnerinnen 1.213.828, Frauenkleiderfabrikation 338.144, Landarbeiterinnen 497.886, Wäscherinnen 332.665, Lehrerinnen 327.905, Farmbesitzerinnen 307.788, Textilarbeiterinnen 231.458, Haushälterinnen 147.103, Verkäuferinnen 146.265, Näherinnen 138.724, Krankenwärterinnen und Hebammen 108.691, Unqualifizierte 106.916. In diesen zwölf Berufen sind gezählt 3.583.333 = 74,1 Prozent aller erwerbstätigen Frauen. Außerdem gibt es noch 85.086 Stenographinnen, 82.936 Hutarbeiterinnen, 81.000 Handlungsgehilfinnen, 72.896 Buchhalterinnen usw., zusammen in 19 Berufen mit mehr als 50.000 Frauen 4.293.894 = 88,8 Prozent aller erwerbstätigen Frauen.

Eine vorherrschende Stellung nehmen die Frauen in folgenden Berufen ein. Von 100 Erwerbstätigen kommen auf

FrauenMänner
Wäschekonfektion99,40,6
Putzmacherei98,02,0
Näher und Näherinnen96,83,2
Kragenfabrikation77,622,4
Wirkerei72,827,2
Handschuhmacher62,637,4
Buchbinderei50,549,5
Textilfabrikarbeiter50,050,0
Haushalter94,75,3
Krankendienst89,910,1
Waschanstalten86,813,2
Dienstpersonal81,918,1
Zimmervermieter83,416,6
Stenographen76,723,3
Lehrer und Lehrerinnen73,426,6
Musiklehrer und Musiklehrerinnen56,943,1

Von 4.833.630 erwerbstätigen Frauen, die im Alter von 16 und mehr Jahren standen, waren 3.143.712 ledig, 769.477 verheiratet, 857.005 verwitwet, 63.436 geschieden.

»Die Zunahme im Prozentverhältnis der Erwerbstätigen«, sagt der amerikanische Bericht, »war am stärksten für die verheirateten Frauen, da dieses Prozentverhältnis 1900 um ein Viertel größer war als 1890. 1890 war nur eine Frau auf 22 erwerbstätig, 1900 eine auf 18.«

Sehr groß ist, relativ und absolut, die Zahl der verwitweten und geschiedenen Frauen. Von 2.721.438 verwitweten Frauen waren 1900 erwerbstätig 857.005 = 31,5 Prozent, und noch größer war das Verhältnis in der Gruppe der geschiedenen Frauen. Von 114.935 waren erwerbstätig im Jahre 1900 55,3 Prozent, 1890 49 Prozent. So werden mit jedem Jahr mehr und mehr Frauen auf sich gestellt.

Von 303 Berufen, in denen die Frauen beschäftigt sind, gibt es

79mit weniger als100 Frauen
59mit weniger als100 bis500 Frauen
31mit weniger als500 bis1.000 Frauen
125mit mehr als1.000 Frauen
63mit mehr als5.000 Frauen

Von 100 beschäftigten Personen im Alter von 16 Jahren und mehr bekommen:

MännerFrauen
Weniger als7 Doll.18,0 Weniger als7 Doll.66,3
7 bis9 Doll.15,47 bis9 Doll.19,6
9 bis20 Doll.60,69 bis15 Doll.13,2
20 bis25 Doll.4,815 bis20 Doll.0,8
Mehr als25 Doll.2,020 bis25 Doll.0,1
Durchschnittswochenlohn 11,16 Dollar6,17 Doll.

Wir sehen, daß 60,6 Prozent aller Männer mehr als 9 Dollar bekommen, dagegen nur 14,1 Prozent der Arbeiterinnen mehr als 9 und mehr als zwei Drittel (66,3 Prozent) weniger als 7 Dollar Earnings of wage-earnes. Bulletin 93, S. 11. Washington 1908. . Der Durchschnittswochenlohn beträgt für Männer 11,16 Dollar, für Frauen 6,17, also beinahe zweimal weniger.

Der Unterschied ist ebenso groß in der Beamtenwelt. Von 185.874 Zivilbeamten wurden gezählt 172.053 männliche = 92,6 Prozent und 13.821 weibliche = 7,4 Prozent. In Kolumbia, wo der Sitz der Zentralverwaltung sich befindet, steigt das Prozentverhältnis der Frauenarbeit bis 29 Prozent. Und doch bekommen weniger als 720 Dollar 47,2 Prozent aller Frauen, dagegen nur 16,7 Prozent der Männer Executive civil service of the United States. Washington 1908. .

In Frankreich betrug nach dem Zensus von 1901 die erwerbstätige Bevölkerung 19.715.075, darunter 12.910.565 Männer und 6.804.510 Frauen. Auf einzelne Berufe verteilen sie sich wie folgt:

MännlicheProz.WeiblicheProz.
Landwirtschaft5.517.617722.658.95228
Handel1.132.62165689.99935
Häusliche Dienste223.86123791.17677
Freie Berufe226.56167173.27833
Industrie3.695.21363,52.124.64236,5

»Die weibliche Arbeiterbevölkerung beträgt also die Hälfte der männlichen Arbeiterbevölkerung« C. Milhaud, L'ouvrière en France. S. 4 bis 5. Paris 1907. .

So wie in allen anderen Ländern ist das Prozentverhältnis am kleinsten in allen Berufen, die eine große physische Kraft fordern. (Im Bergbau 2,03 Frauen auf 100 Männer, in Steinbrüchen 1,65, in der Metallurgie 1,06.) Dahingegen ist der Anteil der Frauen am stärksten in der Textilindustrie – 116 Frauen auf 100 Männer, in der Konfektionsindustrie, in den Wäscheanstalten 1.247, in der Wäschekonfektion 3.286 E. Levasseur, Questions ouvrières et industrielles en France sons la troisième république. S. 275 bis 276. Paris 1907. .

Im allgemeinen, wie es Frau C. Milhaud konstatiert, ist der Zustrom der Frauen am stärksten in jenen Industrien, wo die Arbeitszeit extra lang ist und der Lohn am niedrigsten. »Eine traurige Tatsache: währenddem die Industrien mit kurzer Arbeitszeit nur einige tausend Frauen beschäftigen, sind in den Gewerben mit langer Arbeitszeit Hunderttausende beschäftigt« E. Milhaud, a.a.O., S. 22. .

Was den Arbeitslohn betrifft, so sagt der bürgerliche E. Levasseur, daß fast in allen Fällen der Arbeitslohn der Frauen nur sehr selten bis zu zwei Dritteln des Lohnes der männlichen Arbeiter steigt und viel öfter die Hälfte beträgt E. Levasseur, a.a.O., S. 537. .