Tausend und ein Tag. Orientalische Erzählungen. Zweiter Band
Verlag: Insel Verlag | Jahr: 1925 | Übersetzer: Paul Hansmann
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Kapitel 63
Abu Anassr Thelebi erzählt: Ein Geizhals aus Kufah habe gehört, daß es in Bassorah einen noch größeren Geizhals gäbe, bei dem er in die Schule gehen könnte. Er begab sich dahin und führte sich selbst ein als einen Anfänger in der Kunst, geizig zu sein, der von einem so großen Meister lernen wolle. ›Willkommen!‹ sprach der Geizhals von Bassorah, ›wir wollen sogleich auf den Markt gehen, um einzukaufen.‹ Sie gingen zum Bäcker: ›Hast du gutes Brot?‹ ›Zu dienen, o meine Herren, frisch und weich wie Butter.‹ ›Du siehst,‹ sprach der Mann aus Bassorah zu dem aus Kufah, ,daß Butter besser ist als das Brot, das damit verglichen wird, und wir werden besser tun, uns mit Butter zu behelfen.‹ Sie gingen zum Händler und fragten, ob er gute Butter habe. ›Zu dienen, Butter, frisch und schmackhaft wie das köstlichste Olivenöl.‹ ›Du hörst,‹ sprach der Wirt zum Gaste, ›die beste Butter wird dem Öl verglichen, das um vieles vorzüglicher sein muß.‹ Nun gingen sie zum Ölverkäufer: ›Hast du gutes Öl?‹ ›Vom besten, klar und hell wie Wasser.‹ ›Ei! ei!‹ sagte der Geizhals von Bassorah zu dem von Kufah, ›so ist also Wasser die beste Kost. Ich habe in meinem Hause eine ganze Kufe voll, womit ich dich herrlich bewirten will!‹ Und wirklich setzte er seinem Gast nichts als Wasser vor, weil es besser sei als Öl, wie Öl besser als Butter, und Butter besser als Brot sei. ›Gottlob,‹ sagte der Geizhals aus Kufah, ›ich habe meine Reise nicht umsonst gemacht, sondern etwas Tüchtiges gelernt.‹