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Tausend und ein Tag. Orientalische Erzählungen. Zweiter Band

von Anonyme oder unbekannte Autoren

Verlag: Insel Verlag | Jahr: 1925 | Übersetzer: Paul Hansmann

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Kapitel 62

Kapitel 62

Ein gastfreundlicher Mann bewirtete einst drei Tage über einen Bekannten und entschuldigte sich beim Weggehen über die Mängel der Bewirtung, wiewohl er alles aufgeboten hatte, was in seinen Kräften stand, um ihm den Aufenthalt der drei Tage angenehm zu machen. »Es ist schon gut,« sagte der andere, »aber wenn du zu mir kommst, will ich dich besser bewirten, als du mich.« Der Fall traf bald hernach ein; allein der Gast sah nicht das geringste von besonderer Vorbereitung und verwunderte sich darob nicht wenig. Der Gastgeber, der dessen gewahr wurde, half ihm aus dem Traume: »Sagte ich nicht, ich würde dich besser bewirten, als du mich. Du machtest tausend Vorbereitungen in deinem Hause, als ob ich ein Fremder wäre; ich keine, weil ich dich als ein Mitglied meiner Familie ansehe.« – Die wahre Gastfreundschaft besteht in der ungezwungenen Aufnahme unserer Freunde, ohne besondere Vorrichtung.