← Zurück zur Startseite

Tausend und ein Tag. Orientalische Erzählungen. Zweiter Band

von Anonyme oder unbekannte Autoren

Verlag: Insel Verlag | Jahr: 1925 | Übersetzer: Paul Hansmann

Wenn Sie das Buch lieber in der Hand halten möchten, können Sie es hier erwerben:

Oder laden Sie das Buch kostenlos als E-Book für Ihren E-Reader herunter:

Wie verwende ich eine EPUB-Datei?
Kapitel 55

Kapitel 55

Der Kalif Al-Mutasim saß auf dem Balkone seines Palastes und sah einen armen Greis, der sich mit tausend Mühen fortschleppte, einen Esel, der mit Wasserschläuchen beladen war, vor sich hertreibend.

Der Kalif ließ ihn rufen und fragte ihn, wie es käme, daß er unter so mühseligem Tagewerk sein Leben so weit gebracht habe, während die Reichen und Wohllebenden in der Blüte der Jahre stürben. »Die Ursache ist,« sagte der Wasserträger, »weil uns Armen aus dem Schlauche des Lebens alles tropfenweise zusickert, während die Reichen den Schlauch auf einmal öffnen und den Strom der Lebenskraft ausgießen!« Dem Kalifen gefiel die Antwort, und er machte ihm ein ansehnliches Geschenk, um seines Alters besser zu pflegen. Wenige Tage hernach erfuhr der Kalif den Tod des Wasserträgers; »Wahrlich,« sprach er, »der Mann hatte so unrecht nicht und hat nun die Wahrheit seines Wortes durch Leben und Tod bestätigt!«